Wir erreichen die richtigen Berge der Slowakei und radeln von einem Nationalpark in den anderen. Traumhafte Wälder, schmale und weite Täler zwischen den Bergen, schroffe Hochgebirgslandschaft und atemberaubende Schluchten verzaubern uns.

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Wir radeln durch den Talkessel des Turčianska kotlina zwischen den Bergen der Malá Fatra und Vel’ká Fatra gen Norden. Doch die Strecke durch das Tal war dann doch etwas bergiger als gedacht. Um dem großen Verkehr zu entgehen, nutzen wir kleinere Straßen am Rand der Vel’ká Fatra. Anstiege von mehr als 10% sind hier keine Seltenheiten. Wir spüren unsere Beine deutlich und freuen uns als wir den Campingplatz am Fuß des Vel’ký Kriv’áň erreichen. Ohne Gepäck und teils zu Fuß erkunden wir das Šútovská dolina mit dem Šútovsky vodopád als Höhepunkt. Außerdem probieren wir hier Kapustnica, eine traditionelle Suppe aus der Küche der Slowakei und lernen Balázs kennen, der uns noch viele sehenswerte Orte in der Slowakei verrät.

Wir folgen dem Flusslauf der Váh in Richtung Osten mit Blick auf wundervolle Felsformationen und erreichen mit dem Stausee Liptovská Mara die Gegend Liptov zwischen der Hohen und Niederen Tatra. Nach einer Pause an dem sehr touristischen Stausee kamen wir am Abend sehr erschöpft bei Phat an und durften unser Zelt bei ihr im Garten aufstellen. Uns wurde bewusst, dass ein Garten in der Berglandschaft der Tatra nicht unbedingt eine gerade Fläche haben muss. Etwas verspannt von der Schräglage zwangen wir uns am nächsten Tag auf unsere Räder und strampelten weiter Richtung Osten.

In einem kleinen Bergdorf machen wir einen Halt an einem natürlichen Thermalbad. Der kleine angelegte „Pool“ aus Naturstein ist ein beliebter Treff und man muss regelrecht anstehen um hinein zu kommen. Einige kommen scheinbar jeden Tag hier her um sich 20 Minuten den heilenden Kräften der Natur auszusetzen. Schwefelhaltige Gase und lauwarmes Wasser sprudeln hier aus der Erde und bewirkt nach einigen Minuten ein brennendes Gefühl auf der Haut. Das ebenso heilende Quellwasser mit natürlicher Kohlensäure und einem schwefeligen Geschmack ist jedoch etwas gewöhnungsbedürftig.

Unser nächster Stopp ist bei Richard in Liptovsky Hrádok. Neben uns sind gerade noch zwei Volunteers hier, die Richard dabei helfen aus einer alten, zerfallen Schule ein kleines Mountainhouse zu bauen, um vor allem im Winter die Berge der Tatra mit dem Snowboard zu erkunden. Wieder werden wir so herzlich begrüßt und kommen direkt an, in der kleinen gemütlichen Gruppe. Richard, der schon ziemlich viel von der Welt gesehen hat, erzählt abends beim gemeinsamen Kochen eine Geschichte nach der anderen. Es ist einfach eine richtig entspannte Stimmung bei ihm und wir bleiben spontan einfach noch einen Tag länger.

Am nächsten Tag erkunden wir die Hohe Tatra, zum Glück ohne Gepäck! Es ist einfach eine atemberaubende Berglandschaft und wir sind aufs Neue überwältigt. Am Bergsee Popradské pleso angekommen laufen wir ein Stück die Berge hinauf und genießen den Blick über die Gipfel und die einzigartige Ruhe der Berge.

Nach unserem Aufenthalt bei Richard radeln wir ein weiteres Mal durch die wunderschönen Nadelwälder, diesmal in der Niederen Tatra und erreichen den letzten Nationalpark auf unsere Route durch die Slowakei, Slowenský Raj. Zu Fuß wandern wir durch die eindrucksvollen Schluchten Suchá Belá und Piecky. Teilweise führt der Weg vorbei an Höhlen und Wasserfällen durch das Flussbett und teilweise über Eisenstiege oder Holztreppen. Eine gute Tour, um seine Höhenangst zu überwinden. Im jüngsten Nationalpark der Slowakei wird versucht, möglichst wenig in die Natur einzugreifen und so werden z.B. umgefallene Baumstämme einfach nur durchgesägt, um die Wanderwege begehbar zu halten.  Dadurch wirken alle Wege sehr natürlich und ursprünglich. Es war einfach atemberaubend und das nebelige Wetter gab der Wanderung die passende Stimmung.

Ein letztes Mal geht es für uns über die Berge des Slovensky Raj und erneut werden wir von der Natur überrascht. Wir fahren durch einen kleinen Canyon an einem klaren Bergfluss entlang, bevor wir am Ende den Bergsee Palcmanská Maša erreichen. Mit Blick über den See schlafen wir ein, bis uns das erste richtige Gewitter unserer Reise erreicht. Der Donner schallt ordentlich in den Bergen und wir freuen uns, dass unsere Villa Sonnenschein dem Regen standhält. Am nächsten Tag genießen wir das klare Bergseewasser nochmal so richtig.

Wir sind mitten drin in der unglaublichen Natur der Slowakei, die uns fesselt und nicht mehr loslässt. Uns war vorher nicht bewusst, dass es hier so viele Nationalparks auf engstem Raum gibt und wir sind nachhaltig beeindruckt von all den schönen Plätzen, die wir hier sehen durften und von all dem glasklaresn Wasser in den Flüssen und Seen.

Auch kommen wir der wilden Tierwelt immer näher. Bei Richard hören wir aus erster Hand von der Begegnung mit einem Bären und am nächsten Tag sehen wir selbst Spuren am Straßenrand. Im Slowenský Ray hören wir nachts die Wölfe in den Bergen heulen. Begegnungen bleiben bis jetzt aber zum Glück aus.

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Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Karen Schröder

    Atemberaubende Bilder und wildes „Gebirge“ beeindrucken uns Flachlandtiroler sehr. Wie gut, dass euch die wilden Tiere bisher nicht direkt begegnet sind. Die kleinen Hütteneingänge am Berghang könnten auch Hobbits beherbergen… Weiterhin viele neue Eindrücke wünschen euch Karen und Renate aus Kiel 🐻🐺🐗🦊🦝