Unsere Route verläuft durch das östliche Bergland der Slowakei und zeigt uns nochmal ein anderes Bild des Landes bevor wir in der schönen Stare Mesto von Kosice ankommen.

Viel Spaß beim Lesen!

Nachdem wir die eindrucksvollen Nationalparks der Slowakei hinter uns lassen wählen wir eine Route durch das nicht touristische Bergland. Wenige, kleine Orte finden sich an der Straße durch die Berge des Slovenské rudohorie. Es ist zu sehen, dass hier wohl weniger Geld in die Infrastruktur investiert wird und der Wohlstand etwas geringer ist, als in den westlichen und nördlichen Regionen.

Wir sehen hier auch immer häufiger größere Roma-Siedlungen am Rand der Dörfer und Städte. Es scheint wie in einer anderen Welt, wenn wir durch die Anhäufungen an Welblech- und Holzhütten fahren. Die Roma-Siedlungen haben wir in der ganzen Slowakei gesehen und sie stehen immer im Kontrast zu den schönen, aufgehübschten Straßenzügen im Stadtkern. Hier im Osten der Slowakei gibt es jedoch Städte, in denen der Anteil der ethnischen Minderheit überwiegt.

In den Städten werden wir vor den Supermärkten von bettelnden Kindern umringt. In solchen Situationen macht sich immer ein sehr bedrückendes Gefühl breit, denn wie soll man in solchen Momenten richtig handeln?

Es ist wohl auch das Bild, was in der Slowakei viele im Kopf haben, wenn sie an die Roma denken. Obwohl wir deutlich mehr freundlichen und netten Roma beim Vorbeiradeln begegnen, überwiegt bei einigen anscheinend der negative Eindruck einiger weniger. Aus Gesprächen erfahren wir, dass hier wohl noch ein starker Rassismus gegen die Roma vorherrscht. Oft wird abwertend über sie geredet und wir werden nicht selten vor ihnen gewarnt. Es ist wohl ein Teufelskreis, denn wenn die Gesellschaft die Roma so ausschließt, bleibt denn dann den Ärmsten von ihnen überhaupt eine andere Wahl als zu betteln? Dies ist scheinbar nur durch staatliche Hilfen und mehr Akzeptanz in der restlichen Bevölkerung zu durchbrechen. Dazu gehört nicht nur die Akzeptanz eines anderen Lebensstils, der viele Roma genauso glücklich macht wie er ist, sondern auch eine Gleichberechtigung derer, die den westlichen Lebensstil annehmen wollen.

Nach der Tour durch die Berge erreichen wir etwas erschöpft von den ganzen Anstiegen und der stark befahrenen Straße am Hornad entlang die Vorstadt von Košice, wo wir eigentlich am Flusslauf unser Zelt aufschlagen wollten. Die bedrückende Stimmung der Vorstadt einer größeren Stadt lag in der Luft und wir haben uns dann doch lieber dazu entschieden, den Camping auf der anderen Seite der Stadt aufzusuchen, wobei sich der von uns gewählte Zugang durch ein steiniges Bächlein als sehr abenteuerlich erweisen sollte. Als wir durch die wunderschöne staré mesto von Košice radeln ändert sich unsere Stimmung aus der Vorstadt schlagartig und wir tauchen ein in das bunte und frische Treiben der Altstadt. Volle Cafés und Bars, Livemusik auf der Straße und dazu die Kulisse einer pittoresken Altstadt.

Wir genießen die Atmosphäre und die Abendstimmung als wir in einem kleinen Café von Tiago und Katarina angesprochen werden, ob wir uns nicht mit zu ihnen setzen möchten. Wir lauschten ihren Geschichten, plauderten über unsere Tour und Portugal, denn Tiago ist Portugiese. Zwei Tage später laden die beiden uns in ihre Wohnung ein und wir hatten einen weiteren schönen Abend in Košice mit Cesnaková polievka im Brot und Tatarák.

In Kosice erkennen wir auch die Struktur vieler anderer slowakischer Städte wieder. Ein schöner Stadtkern, der umringt ist von den markanten, grauen oder teils bunten Plattenbauten aus der sowjetischen Zeit und noch weiter draußen die Siedlungen der Roma. In den Dörfern ist es ähnlich. Teils sieht man richtig schöne und teils sehr abgenutzte oder baufällige Häuser.

In gut drei Wochen radeln wir knapp 1.200 km und überwinden dabei ca. 10.000 Höhenmeter durch die Slowakei. Auf unserer Etappe durch die Slowakei sind wir größtenteils auf kleinen Straßen, Rad-, Feld- und Forstwegen unterwegs, um die großen Verkehrsbereiche zu meiden. Mit unserer Karte, den Radschildern am Straßenrand (immer zu erkennen am C) und der GPS-App kommen wir ohne große Probleme an unsere Ziele.  Wobei die Locus-App wohl den kleinen aber feinen Unterschied macht. Sind wir an kniffligen Stellen, an denen es keine oder fragwürdige Beschilderung gibt, ist der Blick auf das Handy einfach Gold wert. Eine solche Radreise wäre vor 15 Jahren wohl um einiges abenteuerlicher gewesen, wohl aber auch mit noch mehr Kontakt zu den Einheimischen verbunden.

Es gibt teilweise richtig gute aber auch sehr gewöhnungsbedürftige Wege. Für uns stellen die Wege allerdings keine wirklichen Probleme dar, da wir mit unseren Rädern auch auf holprigen Pisten gut vorankommen und wir uns für schlechte Wege einfach mehr Zeit nehmen können. Um so östlicher wir kommen, desto unangenehmer und respektloser werden die überholenden Autos. Abstand wird nur noch in wenigen Fällen gehalten und wir sind froh, wenn wir wieder auf kleine Wege mit wenig Verkehr ausweichen können.

In größeren Städten wie z.B. in Liptovski Mikulasz und Kosice findet man vereinzelt Radrundwege mit Einbahnstraßensystem im Innenstadtbereich, durch die man entspannt per Rad die Städte entdecken kann.  

Keiner von uns beiden hätte gedacht, dass wir so viel Zeit in der Slowakei verbringen werden. Ein Land, welches so nah an unserem liegt und für uns aber bisher kein wirkliches Reiseziel darstellte. Rückblickend sind wir vielleicht besonders deshalb so überrascht und beeindruckt von diesem Land. Überwältigt von der atemberaubenden Natur, der Gastfreundschaft, der unerwartet guten Beschilderung und dem leckeren Essen, geht es für uns nun mit einem wunderbaren Gefühl weiter auf unserer Reise.

Dovidena Slovensko!

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Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Henrike

    Wow.Die Slowakei ist wirklich schön und anders als erwartet!
    Bitte immer reichlich Blog-Material schreiben 😉

    Kuss auf die Nuss 😚

  2. Karen Schröder

    Moin, ihr lieben Weltenbummler! Wir würden euch gern ein Foto aus der regnerischen Kanal-Meisterei in Osterrönnfeld schicken, können das aber technisch nicht hinkriegen…. Das Roma-Problem scheint weit verbreitet zu sein. Schlimm für die Leute. Diese Probleme werden dann nach Westeuropa mitgebracht und hier auch nicht gelöst. Weiterhin gute Fahrt wünschen euch Renate und Karen 🚴🚵

  3. Carola

    Liebe Isi und lieber Basti, diesen Blog über die Slowakei hab ich leider im August nur überflogen. Jetzt erst war die Zeit zum Lesen. Ich würde da auch gern mal Urlaub machen. Begeistert von der Slowakei ist der Freund von Steffens Mutti, Peter. Inzwischen seid ihr ja schon eine ganze Weile in der Türkei. Ich ziehe so den Hut vor euch hier auf meinem Sofa.
    Liebe Grüße von Carola