Wir erreichen den asiatischen Teil der Türkei und kommen direkt wieder in den zauberhaften Geschmack geballter, türkischer Gastfreundschaft. Außerdem spüren unsere Beine nun auch was es heißt, in der Türkei zu radeln … selbst oder eben gerade entlang der wunderschönen Ägäisküste.

Viel Spaß beim Lesen!

Vollgepackt mit den vielen Eindrücken aus dem bunten İstanbul steigen wir in die Fähre über das Marmarameer Richtung Bandırma. Seit dem Donaudelta, wo wir gezwungen waren auf die Fähre zu steigen, legen wir das erste Mal wieder eine längere Strecke ohne eigene Muskelkraft zurück. Nach nur etwa 3 Stunden auf dem Wasser können wir die türkischen Berge, welche wir in den nächsten Tagen bezwingen werden, dann auch schon durchs Fenster erspähen. Doch zuerst wollen wir noch eine Nacht am Meer verbringen, welches uns mit angenehmen Temperaturen und Sonnenschein begrüßt.
Wir radeln Richtung Erdek und begeben uns auf die Suche nach einem Campingplatz für die Nacht. So richtig werden wir nicht fündig und fragen bei einem Luxusbungalowdorf nach. Zelten dürfen wir dort leider nicht, aber ein Mann ruft einen Campingplatzbesitzer an. Der Campingplatz ist eigentlich um diese Zeit längst geschlossen, aber der Besitzer macht sich direkt auf den Weg ins Dorf und nun wird doch tatsächlich für uns das Warmwasser nochmal angeschlossen und der Campingplatz wieder aktiviert.
Nach einem herrlichen Sonnenuntergang mit Çay und leckerer Muschelkostprobe von ein paar Männern, die am Strand Picknick machen, schlafen wir zufrieden ein.

Als wir am nächsten Morgen gerade losradeln wollen, spricht uns eine Frau an, die gerade mit ihrem Hund spazieren geht und fragt ob sie besser Deutsch oder Englisch sprechen soll. Janice freut sich über unsere bepackten Reiseräder, denn so oft kommt das in dieser Gegend wohl nicht vor und schon gar nicht um diese Jahreszeit. Wir schnacken ein bisschen und sie lädt uns auf einen „deutschen“ Kaffee ein. Wir zögern natürlich, da wir ja sowieso schon viel zu spät dran sind, aber willigen dann doch ein.
Wenig später sitzen wir bei Kaffee in ihrem wunderschönen Garten und sie ist der Meinung, dass es jetzt sowieso schon viel zu spät für die Weiterfahrt nach Gönen sei und wir mal lieber hierbleiben sollen. Gesagt, getan und so verbringen wir einen entspannten Nachmittag bei Çay, kommen in den Genuss von Halva und selbstgemachter Pizza, ernten Hünnap und reden über das Reisen, die Türkei und die Welt. Auch Janice hat früher lange Radtouren unternommen und besaß einen Fahrradladen namens Radschlag in Frankfurt. Das Verrückteste ist aber, dass sie dadurch viel mit Böttcher aus Heide zusammengearbeitet hat. Die Welt ist ein Dorf und über diesen Zufall kommen wir alle nicht hinweg! Janice ist jedenfalls der beste Beweis dafür, dass Radfahren jung hält.
Schweren Herzens verabschieden wir uns am nächsten Morgen nach einem Fahrradcheck. Seitdem stehen wir weiterhin in Kontakt und erhalten neben türkischen Sprachhäppchen viele nützliche Tipps und Tricks für das Reisen in der Türkei.

Wir verlassen das Marmarameer und brechen auf in Richtung Nordägäis. Wir schlagen den direkten Weg über die Berge ein. Anfangs radeln wir noch auf einer großen vierspurigen Straße, doch ab Gönen wird der fahrbare Untergrund entspannter und wir erleben zwei wunderbare Tage, vollgepackt mit türkischer Gastfreundschaft und vielen neuen Eindrücken. Es sind genau diese wunderbaren Momente, für die wir uns auf eine solche Reise begeben haben.

Wir erreichen die Stadt Gönen und halten bei einer entzückend aussehenden Patisserie an, um unsere müden Körper wieder etwas aufzutanken. Quer durch das große Sortiment wählen wir uns die leckersten Sachen aus. Es kam ein Mann aus der Backstube und er deutete der Verkäuferin an, sie solle noch mehr auf die Teller packen als ohnehin schon drauf war. Unsere Mägen flüsterte uns, wir sollen den Protest für uns behalten und so schlemmten wir bis wir keinen Zucker mehr sehen konnten. Als wir bezahlen wollten, kam die große Überraschung. Der Mann aus der Backstube entpuppte sich als Chef und er erklärte uns, dass wir eingeladen sind. Jegliche Versuche, doch noch für die Köstlichkeiten zu bezahlen, wurden mit lächelndem Kopfschütteln abgelehnt.

Gestärkt in den Beinen aber auch unglaublich euphorisiert durch die erlebte Gastfreundschaft entschlossen wir uns noch weiter in die Berge zu fahren. Die Straße schlängelte sich immer weiter nach oben und die Sonne zeigte sich von ihrer besten Seite. Schwitzend und schnaufend erreichten wir den ersten Peak. Langsam neigte sich der Tag dem Ende und wir hatten noch keinen Plan wo wir heuet unser Zelt aufstellen sollten. Selbst an einigermaßen flachen Stellen war der Untergrund gesäumt mit großen und kleinen Steinen, was es uns schier unmöglich machte unser Zelt aufzubauen. So radelten wir suchend weiter bis zu einer Wegkreuzung, an der wir nach dem Weg schauten.
Da kam ein Opi auf seinem Moped angerollt. Er zeigte uns, dass er auf seinen Acker wolle, dessen Tor wir leider gerade versperrten. Wir rollten beiseite und öffneten ihm das Gatter. Er freute sich so darüber, dass er sein Moped ausmachte und mit uns zu „plaudern“ begann. Nach ein paar bekannten aber jeder Menge unverständlichen Sätzen machte er uns bemerkbar, dass wir doch auf seiner Kuhweide zelten sollen. Entweder hat man uns die Planlosigkeit angesehen oder es lag an der untergehenden Sonne und der Tatsache, dass wir hier im Nirgendwo in den Bergen waren. Doch unvorbereitet wie wir waren brauchten wir noch Wasser. „Su, Su!“ erwiderten wir ihm immer wieder und so schickte er uns in das kleine nahgelegene Dörfchen, wo wir unseren Wassersack an einem Brunnen befüllen konnten.
Als wir zurück auf der Weide waren, bauten wir unser Zelt zwischen den Kuhfladen auf. Der Bauer war gerade dabei die drei Kühe zu melken. Als er fertig war sollten wir mit unseren Tassen vorbeikommen und einen großen Schluck aus dem warmen, weißen, schaumigen Bottich nehmen. Es war ein wunderschöner Abend und als die Sonne komplett hinter den Bergen verschwand, verschwanden auch wir in unserem Zelt.
Am nächsten Morgen begann der Tag ausnahmsweise nicht mit der musikalischen Untermalung des Muezzins, sondern mit einem Konzert der Kühe. Kurze Zeit später kam dann auch der Bauer mit Futter und zum Melken angedüst. Doch zuvor kam er noch zu uns und brachte uns warmes Wasser, Brot, Käse und Tomaten. Der Morgen begann genauso herzlich wie der Abend endete. Wir sind überwältigt!

Nach unserem Frühstück auf der Kuhweide hat sich das Wetter schlagartig geändert. Plötzlich standen wir mitten im Nebel, es regnete und die Handschuhe mussten sogar schon rausgeholt werden. Im Nieselregen wollten wir gerade wieder auf die Räder steigen, da bemerkten wir das bei einem Reifen keine Luft mehr drinnen war. Während wir das Werkzeug ansetzten, kam schon der nächste Bauer auf seinem Traktor vorbei getuckert, passenderweise mit Kompressor. Mit frischer Luft im Reifen ging es deshalb auch gleich weiter über kleine Wege und Dörfer, die mehr Tiere als Bewohner:innen haben. Ohne Nebel würden wir hier wohl den ein oder anderen Ausblick auf die Berge genießen können.
Durchgefroren und nass werden wir in einem kleinen Dorf von einem netten Mann angesprochen. Wir sollen unsere Räder stehen lassen und auf einen Çay in seine kleine Hütte kommen. Er kommt eigentlich aus der Stadt, aber er möchte lieber hinaus aufs Land ziehen. Dafür baut er gerade eine kleine Schaffarm auf. Das ist hier wohl normal, dass man sich einfach nach gutem Gewissen und etwas Erfahrung eine Behausung zusammenschustert. Das Wort „halblegal“ hören wir sehr oft und es beschreibt den Zustand wohl ganz gut. Sobald das Haus fertig ist, möchte er seine Familie nachholen, denn er erzählt uns wie sehr er sie vermisst.
Er erfreut sich an unserem Besuch und wir erfreuen uns an der herzlichen Wärme von ihm und der muckeligen Stimmung vor dem Kamin, den er extra für uns angemacht hat, während der Regen draußen gerade alles gibt.

Zurück auf den Rädern werden wir schnell wieder von der nassen und kalten Realität eingeholt. Wir befördern unsere Räder weiter über die kleinen, bergigen Straßen. Leider versperrt uns der Nebel noch immer einen wohl wunderschönen Ausblick. Als wir die nächste größere Stadt erreichen, wollen wir unseren Reifen noch einmal etwas mehr Luft spendieren. An der Tankstelle angekommen werden wir auch direkt von drei netten Männern begrüßt, die dies auch direkt selbst übernehmen wollten.
Doch einfach weiterfahren können wir nicht. „Yemek!, Yemek!“ und eine löffelnde Geste, werfen uns die Leute von der Tankstelle immer wieder entgegen. Wir bemerkten erst jetzt, dass die Tankstelle auch der Lagerplatz der Paprikaernte ist. Unzählige Frauen, Kinder und Männer wuseln zwischen den riesigen, knallroten Paprikabergen hin und her. Wir kommen natürlich genau zur Mittagspause und werden direkt mitversorgt. Aus einem riesigen Pot gibt es feinste Bulgurpampe mit Hühnchen, dazu Brot und Ayran! Uns werden die Bäuche vollgestopft und wir sind überglücklich über die Gastfreundschaft.
Während die Kinder unsere Räder bestaunen, werden wir durch die Paprikaberge geführt. Danach beladen die netten Frauen jede freie Ecke unserer Taschen mit Paprika. Auf den Hinweis, dass wir doch noch die Berge hoch müssen, lachten sie nur und deuteten an, dass wir dann eben einfach mehr essen sollen. Und so verabschiedeten wir uns recht herzlich von der ganzen Dorfgemeinde und strampelten weiter in die Berge hinein. Scheinbar sahen unsere Taschen noch nicht voll genug aus und so wurde uns im nächsten Dorf auch gleich noch ein Kürbis auf die Packtasche geschnallt.

Eine Idee, wo wir heute schlafen sollten, hatten wir auch noch nicht und so langsam wurde es wieder dunkel. Auf einmal erblickten wir ein Hotel mitten im Wald. Wir fragten, ob wir unser Zelt im Garten aufstellen können, weil der Preis für eine Nacht dort gut dreimal über unserem Budget lag. Der etwas arrogante Besitzer meinte, das müsse er sich erst einmal überlegen, ob er uns das erlauben kann. Er brachte uns einen Tee und ließ uns sitzen. Nach einiger Zeit sagte er dann, es sei OK. Er zeige uns gleich den Platz. Also saßen wir weiter draußen vor der Tür, es war saukalt und regnete. Nach einer dreiviertel Stunde war uns die ganze Situation zu blöd und wir suchten bei warmshowers nach einer Alternative. Zum Glück waren Emre und Demet so spontan und wir durften kurzfristig zu ihnen kommen. Das bedeutete zwar 15 km in die falsche Richtung, im Dunkeln, im Dauerregen, im Kalten, aber dafür wurden wir von den beiden so herzlich empfangen, dass sich jeder einzelne Meter des Umweges gelohnt hat. Am Ende hatten wir eine warme Dusche, ein Bett und saßen zusammen mit den beiden und ihrer Freundin am Kamin, schnackten ganz lustig und aßen frisch geröstete Kastanien vom türkischen Kaminofen.
Die beiden haben zusammen Kunst an der Universität in İstanbul studiert. Das kann man deutlich an all den kleinen Kunstwerken aus Keramik und anderen Materialien erkennen, die man hier überall erblickt. Sie haben sich hier ein kleines Paradies in den Bergen geschaffen. Neben ihrem gemütlichen Haus, haben sie auch mehrere Ferienhäuschen in einem wunderschönen Garten gebaut, natürlich größtenteils in Eigeninitiative. Das Ergebnis ihrer Arbeit kann man jetzt für einen entspannten Urlaub auf dem Land und in den Bergen mieten.

Am nächsten Tag waren der Wind und die Sonne auf unserer Seite. Teilweise schoben uns die kräftigen Böen sogar den Berg hinauf. Doch bei Serpentinen kommt der Wind bekanntlich ja auch ab und an von der anderen Seite. Während einer Pause brachte eine kräftige Böe unseren Rädern gar den Purzelbaum bei. Mit Blick auf das wunderschöne Bergpanorama rollten wir danach allerdings bis fast an die Ägäis.

Unsere Route führt uns entlang der Küste und ist verbunden mit einigen steilen und kräftigen Anstiegen. Doch wir werden stets mit einem wunderschönen Ausblick in die kleinen Buchten belohnt. Während wir uns durch die Olivenriviera der Türkei schlängeln, erleben wir die Ernte hautnah mit. In jedem Hain raschelt es irgendwo. Erst werden die Oliven mit einem automatisch rotierenden Rechen vom Baum geschüttelt. Dadurch fallen die Früchte auf die flächendeckend ausgelegten Planen, mit denen sie zusammengesammelt werden. Anschließend werden die Oliven sortiert oder aussortiert. Mittags sitzen dann alle zusammen und genießen Brotzeit, Çay und Sonne. Abends begegnen uns dann die kleinen Transporter auf deren Ladefläche die vielen quasselnden, singenden und lachenden Erntehelfer:innen sitzen. So geht es Tag für Tag … gefühlt ist gerade überall Olivenernte.

Die türkische Gastfreundschaft spiegelt sich auch in der Fülle der warmshowers hosts wieder. In fast jeder größeren Stadt gibt es mindestens ein nettes Angebot. In Ayvalık kommen wir bei Omid unter. Er kommt aus dem Iran und lebt seit ein paar Jahren in der Türkei. Aufgewachsen ist er in der Schweiz. Sich selbst bezeichnet er als staatenlos, er ist immer zwischen den Stühlen und wird nie wirklich als „Einheimischer“ gesehen. Wie schade, dass die Nationalität noch immer so eine große Rolle spielt.

Etwas weiter gen Süden, in Aliağa, couchsurfen wir das erste Mal auf unserer Reise. Burak wohnt in einem Wohnkomplex, welcher von der Provinzregierung gestellt wird, da er für die Universität arbeitet. Er holt uns ein paar Meter vor seiner Wohnung mit dem Rad ab. Zusammen passieren wir den Wachposten, welcher typisch für abgegrenzte Wohnkomplexe ist und erreichen seine große, geräumige Wohnung. Wir sind mal wieder zur richtigen Zeit am richtigen Ort, denn heute beginnt der Nationalfeiertag der Türkei, Cumhuriyet Bayramı, welcher an die Ausrufung der Republik im Jahre 1923 erinnert. Zu diesem Anlass hat Burak ein köstliches Essen gezaubert.
Im Frühjahr dieses Jahrs hat er seinen Ph. D. in Maschinenbau absolviert. Während dieser Zeit hat seine Familie aufgrund der Pandemie mit ihm zusammen in der Wohnung gelebt, da sie der Metropolregion Izmir entkommen wollten. Wir haben einen gemütlichen Abend zusammen und lernen die Kunst des Tavlaspielens (Backgammon) kennen. Die Kombination aus Glücks- und Strategiespiel begegnet uns auf unserer Reise immer wieder, wenn wir beim Radeln einen Blick in die typischen „Kahvehanes“ (Männerstuben) werfen, wo es von den teetrinkenden Männern nahezu überall gespielt wird.

Am nächsten Tag zeigt Burak uns die Stadt und die Paraden zu Ehren Atatürks. Wir bekommen kleine Fähnchen für unser Fahrrad und radeln durch die Stadt, die geschmückt ist von unzähligen kleinen, großen und riesigen Türkeifahnen. Gerade in der Region Izmir ist die Nähe zu Atatürk sehr stark zu spüren. Wobei die Verehrung des „Vaters der Türken“ im ganzen Land allgegenwärtig ist. Wir erblicken sein Porträt in jeglichen Räumen und es ziert auch die ein oder andere Hausfassade. Mustafa Kemal Atatürk kämpfte mit seiner Armee im türkischen Befreiungskrieg gegen die vordringenden Griechen und gilt als Gründer der türkischen Republik.

Wir erreichen die Metropolregion Izmir. Nach Istanbul fühlt es sich an, als fährt man einfach in eine größere Stadt, dabei wohnen in Izmir ca. 4,4 Million Menschen. Die Stadt übertrumpft Berlin also um eine knappe Million. Wir wählen einen sehr entspannten Weg nach Izmir, streifen dabei ein Vogelschutzgebiet und anschließen fahren wir entlang der Salzwiesen, welche mit unzähligen Flamingos bevölkert sind. In der wunderschönen Abendstimmung des Sonnenunterganges radeln wir auf guten Radwegen ins Zentrum. Die Straßen werden immer voller und voller und wir entscheiden uns schließlich eine Fähre zu nehmen, um der Rushhour zu entkommen. Doch auch diese ist ebenfalls voll bis auf den letzten Platz. Im dichten Gedränge schieben wir unsere Räder über die Railing. Die Feierlichkeiten zum Cumhuriyet Bayramı an einem langen Wochenende holen uns wohl wieder ein.

Nachdem uns nun schon mehrere Fahrradschrauber:innen erzählt haben, dass man irgendwann einmal das Getriebe wechseln sollte und ein Blick auf die Karte immer weniger Shimano Service aufploppen lässt, haben wir uns dazu entschieden, den Rädern eine Generalüberholung zu gönnen. Nach nun gut 8.000 km ohne Probleme mit unseren Böttcher Rädern, sind wir mit unserer Fahrradwahl mehr als zufrieden. Und so geben wir unsere Räder in die Hände von Sundubisiklet und sind seit Ewigkeiten mal wieder radlos unterwegs.

Wir vertreiben uns die Zeit währenddessen in Izmir und schlendern über das Basarviertel und entlang der Hafenpromenade. Genau wie an İstanbuls Ufern scheint das Angeln hier sehr beliebt zu sein. Um dieses Hobby auszuüben, brauchen einige noch nicht einmal eine Angelroute, sondern gerade mal eine Schnur. Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht!

Wir sind umgeben von dem wuseligen Treiben einer türkischen Großstadt mit europäischem Flair. Burak ist gerade in der Stadt und besucht seine Eltern, wir verabreden uns mit ihm und bekommen so eine ganz persönliche Stadtführung. Dabei kommen wir in den Genuss von Lokma, welches uns an die Krapfen unserer Omis erinnert. Burak erklärt uns, dass es sich um eine spezielle Tradition in der Region Izmir`s handelt und dieses Gebäck von einer Hand voll Menschen gesponsert und an alle kostenlos verteilt wird. Die Tradition besagt, dass man nach dem Verzehr oder wenn man ein solches Lokmaauto erblickt, ein Gebet für die Menschen, welche auf einer Tafel neben dem Gebäckstand notiert sind, ausspricht. Ähnlich wie im christlichen Glauben spielen die „guten“ und die „schlechten“ Taten eines Menschenlebens im Islam eine wichtige Rolle. Durch diese Aktion hat der Mensch eine gute Sache mehr getan und erhält eine reinere Seele für das Leben nach dem Tod, was uns ganz leicht an den Ablasshandel erinnert. Zu den Sponsoren des Lokmas gehören aber nicht nur Verwandte von den Verstorbenen, sondern auch frisch gebackene Eltern oder Menschen die einen bedeutenden Tag, wie eine Hochzeit, einen Karrieresprung oder einen Unfall erlebt haben. Es wird also nicht nur Schmerz und Traurigkeit mit der Gemeinschaft geteilt, sondern auch Freude und Glück an schönen Tagen.

Nach ein paar Tagen können wir wieder auf unseren Rädern sitzen. Wir sind froh endlich die stickige Stadtluft hinter uns lassen und wieder in die Natur eintauchen zu können. Für den Weg aus der Stadt hinaus entscheiden wir uns für eine entspannte Zugfahrt, um dem starken Verkehrsaufkommen zu entweichen.

Die unglaublich tiefe Gastfreundschaft, die wir immer wieder erfahren dürfen ist so herzerwärmend und unglaublich schön. Dabei meinen wir nicht einmal die unzähligen, wunderbaren Einladungen zum Tee oder zum Essen, die wir immer wieder bekommen. Viel mehr die Freude über uns „Fremde“, die man den Menschen in den Augen ablesen kann. So grüßen sie uns mit einem so warmen und herzlichen Lächeln zurück, dass man sich einfach nur ernstgemeint willkommen fühlt! Dies ist wohl eine der schönsten Seiten des Reisens, wenn man durch kleine abgelegen Dörfer radelt und fast jedes Auto uns hupend grüßt und wir hinter der Windschutzscheibe immer wieder ein herzliches Lächeln und wildes Winken erblicken können!

Wir fühlen uns einfach richtig wohl in der Türkei!

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Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Karen Schröder

    ….Das habe ich auch Mitte der 80er Jahre in den beiden Praktika in Izmir und Umgebung. Die Gastfreundfreundschaft war umwerfend, das kannte ich aus Norddeutschland so nicht. Eure Fotos sehen toll aus, zum Teil fast wie in der Karibik! Man sieht aber die Berge und kann sich denken, dass ihr ordentlich strampeln musstet. Jetzt tut euch die Erholung sicherlich gut in der schönen Ferienwohnung. Genießt es! Karen und Renate denken an euch.

    1. Nina und Mia Kaiser

      So eine aufregende Reise!🤗
      Wir freuen uns auf viele weitere Reiseberichte und wünschen Euch weiterhin eine gute Fahrt!👋🏻
      Ganz liebe Grüße

      1. Zweiradgefluester

        Liebe Kaisers, wie schön, dass ihr mitreist! Dankeschön und ganz liebe Grüße aus der Türkei zurück

    2. Zweiradgefluester

      Ist docch toll, dass es damals schon so wahr und vor allem heute noch so ist! Liebste Grüße an euch