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In der Slowakei beginnt unsere Reise so richtig. Wir durchqueren den Nationalpark Donau-Auen im Wiener Becken, fahren durch das Donaubecken mit Blick auf die kleinen Karpaten und erreichen die ersten Gebirgszüge der Westkarpaten. Auf unserer Tour durch die Slowakei treffen wir auf schönste Natur und herzlichste Gastfreundschaft.

Viel Spaß beim Lesen!

Wien ist unser letzter Stopp bei Freunden und der eigentliche Start unserer Tour, denn jetzt haben wir keine Verpflichtungen mehr, müssen nicht nochmal nach Deutschland und können uns einfach treiben lassen. Natürlich verlassen wir damit auch die Komfortzone des deutschsprachigen Raumes und sind daher auch etwas aufgeregt und angespannt. Mit diesen Gefühlen radeln wir die letzten Kilometer durch Österreich an der Donau entlang bis nach Bratislava.

Ahoj Slovensko!

In der schönen Altstadt von Bratislava treffen wir uns nochmal mit Moritz. Er begleitet uns den ersten Tag durch die flache Landschaft des Donaubeckens. Wir drehen noch eine Stadtrunde und kaufen einen neuen Ständer für Bimis Rad, da seiner leider den Geist aufgegeben hat.
Auf teilweise guten und teilweise ausbaufähigen Radwegen radeln wir bei hohen Temperaturen an der Malý Dunaj, kleinen Bächen und Kanälen entlang, die leider nicht zum Baden einladen. Der Weg bis nach Senec ist trotzdem sehr idyllisch und der ein oder andere Biber schwimmt in Rückenlage sehr entspannt an uns vorbei. Gegen Abend erreichen wir Senec, einen kleinen Touristen- und vor allem Partyort vor Bratislava, der uns ein bisschen an den Balaton erinnert. Bei kaltem Bier und zu viel leckerem, slowakischem Langos kommt auch bei uns direkt Urlaubsstimmung auf.

Unsere Route geht weiter durch das flache Donaubecken bei immer höheren Temperaturen. Auch in der Nacht ist es jetzt so warm, dass wir lieber unsere Hängematten aufspannen, als das Zelt aufzubauen. Als wir die Stadt Sered‘ erreichen, sind wir auf der Suche nach einem Campingplatz, den es angeblich geben soll. Unser Zelt wollen wir hier nicht einfach so aufstellen, denn es umgibt uns hier eine etwas düster wirkende Stimmung der Stadt. Den Zeltplatz finden wir dann auch noch. Er befindet sich hinter einem Restaurant und ist komplett umzäunt und wird nachts durch ein dickes Tor verriegelt. Die Besitzerin erzählt uns, dass man in der Gegend aufpassen sollte, auf wenn man trifft. Später erfahren wir, dass Sered‘ bekannt sein soll für ausgiebigen Drogenkonsum und alles was damit zusammenhängt. Unser anfänglicher Euphorismus bezüglich des Wildcampens wird durch die Erzählungen erstmal etwas getrübt und wir radeln mit einem etwas mulmigen Gefühl am nächsten Tag weiter gen Osten.
Vor Nitra wird die Landschaft etwas hügeliger und wir erleben unsere ersten größeren Anstiege nach dem Steigerwald, nur diesmal bei deutlich mehr Sonneneinstrahlung. Bei dieser Hitze freut man sich über jedes Gewässer, welches einem etwas Abkühlung bringt, auch wenn es verdreckt oder veralgt ist. Es war uns nach anfänglichem Zögern schlicht egal!

Planlos und von der Sonne erschöpft erreichten wir Nitra nach drei Radtagen bei über 35° C in der prallen Sonne. In diesem erschöpften Zustand radelten wir die Nitra entlang stadteinwärts auf der Suche nach einem Schlafplatz. Als wir an einem Schild „Hidepark“ anhielten und uns an den „Heidepark“ und „Center Parks“ aus Deutschland erinnert fühlten, wurden wir von Veronika angesprochen. Wir fragten sie ob man hier auch Zelten kann. Sie meinte, wir sollen einfach mal ihren Bruder Philipp fragen, denn er ist der Leiter des Parks, aber es sollte kein Problem sein! Wir waren überglücklich! Nach einer Dusche erkundeten wir ohne Gepäck die Stadt und als wir zurückkamen luden uns die Jungs und Mädels noch auf ein Bier ein, denn es wurde der Namenstag von Peter gefeiert. Es blieb aber nicht bei dem Einen und es wurde ein richtig herzlicher und lustiger Abend mit viel pivo und Borovička. Wir haben uns richtig wohlgefühlt in der kleinen alternativen Szene von Nitra. Wie wir erfahren haben, ist die wohl eine kleine Besonderheit und nicht so typisch für die Slowakei.
Sie erzählten uns, dass das Gelände früher irgendwas zwischen Müllhalde und Schrottplatz war. Vor mehr als 10 Jahren entstand dann die Idee ein Kulturzentrum entstehen zu lassen. Dies wurden anfangs belächelt, aber davon haben sie sich nicht beeindrucken lassen. Mit viel Herzblut und Liebe haben Philipp und sein Team nicht nur einen Treffpunkt geschaffen für Konzerte, Kino, Yoga, kleine Festivals und weitere kulturelle Highlights, sondern auch einen Ort für Begegnungen, Austausch und neue Ideen. So entstand hier z.B. auch ein Gartenprojekt für Menschen, die sich als Selbstversorger*innen probieren wollen und keine eigene Fläche dafür haben. Schade eigentlich, dass solche alternativen Orte hier noch nicht so verbreitet sind, aber wir sind uns sicher, dass der Hidepark ein gutes Vorbild für die Slowakei sein kann, um noch viele weitere junge, bunte Zweige wachsen zu lassen!

Am nächsten Tag sind wir nach Levice geradelt und haben bei Ladislav und Adrianna zum ersten Mal einen Schlafplatz über Warmshowers gefunden. Auch für die beiden waren wir die allerersten Gäste in ihrer Wohnung. Aus diesem Grund waren wir alle etwas aufgeregt, was sich jedoch schon nach den ersten Minuten wieder legte. Bei leckerem Essen und kaltem Bier erzählten uns die beiden von ihren Radreisen durch die Welt und gaben uns viele gute Tipps für unsere Tour durch die Slowakei. Die beiden haben auf ihren Reisen schon viele Warmshowers genossen und haben sich zum Ziel gesetzt, die herzliche und offene Gastfreundschaftskultur von Warmshowers auch in der Slowakei zu etablieren. Wir finden das ist den beiden schon jetzt gelungen. Vielen Dank!

Nach diesen zwei herzlichen Tagen fühlten wir uns so richtig angekommen auf unserer Reise und die anfänglich gedrückte Stimmung ist wie weggeblasen. Es fühlt sich gut an irgendwo in Europa bei völlig fremden Menschen eine so herzliche Atmosphäre zu erleben und ein Gefühl des „zu-Hause-Ankommens“ zu verspüren. Wir hatten gute Gespräche und erfuhren etwas aus dem Leben in der Slowakei, was uns so ein bisschen an unsere eigene Kindheit erinnerte, in der die Prägung durch die ehemalige DDR noch etwas zu spüren war. Was dies genau ist, lässt sich schwer beschreiben. Es sind einfach so kleine Dinge, die einem vertraut vorkommen, die man aber auch heutzutage in den neuen Bundesländern auch nicht mehr findet.
In der Slowakei scheint die Abwanderung in Richtung Westen ein großes Thema zu sein, da es einem einfach mehr Chancen bietet. In manchen Bereichen verdient man hier im Vergleich zu Deutschland oder Österreich nur die Hälfte, egal ob man studiert hat oder nicht. Das Leben ist hier natürlich auch etwas günstiger als im Westen, aber betrachtet man die Preise für Lebensmittel im Supermarkt, dann sind diese auf dem Niveau westlicher europäischer Länder. Was für eine Ungerechtigkeit! Aus vielen Gesprächen hören wir auch heraus, dass die Slowakei sehr konservativ geprägt sein soll und besonders bei einigen jüngeren Menschen ein Wunsch nach mehr Weltoffenheit und alternativen Lebensformen wie in Westeuropa besteht. Wer mag da den Drang Richtung Westen zu gehen verdenken. Aber was bleibt, wenn all die mit einer Perspektive gen Westen ziehen? Umso schöner zu sehen, dass auch hier Projekte wie der „Hidepark“ entstehen und eine Chance zum Bleiben bieten können.  

Unser erste richtige Bergetappe führte uns in die älteste Bergstadt der Slowakei, nach Baňská Štiavnica. Auf ca. 10 km ging es rund 800 Meter bergauf durch die schöne Berglandschaft der Štiavnické vrchy, einem Teil des slowakischen Mittelgebirges.  Die Anstiege ließen ihre Spuren in unseren Beinen zurück und wir waren erleichtert, als wir den Bergsee vor Baňská Štiavnica erreicht haben. In der Stadt angekommen probierten wir das slowakische Nationalgericht Bryndzove halušky.
Bei strömenden Regen ging es am nächsten Tag wieder bergab ins Tal der Hron. An einem natürlichen Whirlpool mit ca. 35° legten wir eine kleine Wellness-Pause ein. Das passte einfach perfekt zu dem grauen, verregneten Tag!

Auf unserer nächsten Bergetappe strampelten wir die Kremnické vrchy hinauf und sind dabei fest davon ausgegangen einen entspannten Stopp auf dem Campingplatz in Kremnické einzulegen. Doch als wir bemerkten, dass es hier nur einen verlassen, zerfallenen und vor allem geschlossenen ehemaligen Campingplatz gab und die Gegend auch nicht zum Wildcampen einlud, war unsere Laune auf den Tiefpunkt gesunken. Ein nächster Zeltplatz war gute 30 km und eine weitere Bergekette, die über eine stark befahren Bundesstraße zu überqueren ist, entfernt. Aber wir hatten ja kaum eine andere Wahl. Also zwangen wir uns auf den Sattel und kurbelten los.

In Kremnicé Bane erreichten wir neben dem Hochpunkt der Bergkette auch fast einen der geografischen Mittelpunkte Europas. Allerdings war uns dieser drei Kilometer entfernte Punkt dann doch nicht so wichtig, um weitere Meter bergauf zu fahren. Stattdessen ging es für uns bergab ins Tal des Turiec. Auf der nördlichen Seite der Kremnické vrchy änderten sich die Wälder und wir waren nun von Nadelwäldern und dem Duft aus Tannen, Kiefern und Pilzen umgeben, dem Zuhause der Braunbären.
Als wir die große Straße endlich verlassen konnten, radelten wir weiter im Tal des Turiec entlang und hielten Ausschau nach einem möglichen Schlafplatz. Als wir durch ein kleines Dörfchen kamen und wie immer mit einem freundlichen „dobrý deň“ grüßten, verstanden wir leider wie immer die Antwort nicht. Trotzdem hielten wir kurz an, um mit Schulterzucken und „no slovensko“ zu antworten. Kurz darauf wurden wir im besten Englisch begrüßt. Nach einem kurzen Plausch luden uns Rasto und Lubka ein, bei ihnen im Haus zu übernachten. Wir waren völlig überwältigt von der Gastfreundschaft und überglücklich! Nach einer Dusche und einem kühlen Bier auf der Hollywoodschaukel kam Lubka und fragte, ob wir Chilli con Carne essen? Wir waren im Himmel!

Wir hatten einen richtig schönen Abend mit den beiden und sie überzeugten uns noch einen weiteren Tag bei ihnen zu bleiben, einen „rest day“ einzulegen und die Gegend zu erkunden. Und so zeigten uns Rasto und Lubka am nächsten Tag das Gaderská dolina, ein wunderschönes Tal in der Vel’ká Fatra. Wir waren überwältigt von der atemberaubenden Natur, die wir hier geboten bekamen. Am Abend kehrten wir zurück in das Ferienhaus von den beiden und hatten einen weiteren gemütlichen Abend zusammen. Mit einem Lächeln stellten wir fest, dass die Sache mit dem „rest day“ bei über 90 km und gut 800 Höhenmetern nicht wirklich geklappt hat. Danke für die schöne Zeit!

Jetzt sind wir an einem der geografischen Mittelpunkte im Herzen von Europa und mit unseren Herzen in der Slowakei! Wir sind überwältigt von der Gastfreundschaft, die uns entgegengebracht wird und von der traumhaften Natur, die uns hier umgibt.

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Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. Carola

    Hallo, liebe Isi und lieber Basti,
    als ich das mit Rasto und Lubka und deren Einladung zum Übernachten las, kamen mir direkt die Tränen. Ich war so richtig mit „dabei“. Ich kenne Darina, eine slowakische Ärztin.
    Sie ist genauso herzlich.
    Es ist eine geniale Idee mit eurem Blog. Habt ihr denn immer gut Sonnenöl dabei? Vielleicht fangt ihr ja noch an die Berge zu lieben.;-) Gute Reise!
    Liebe Grüße von Carola

  2. Adeline

    Hallo ihr beiden,
    ich denke oft an euch und freue mich sehr, wieder von euch zu lesen! Ich ziehe echt den Hut vor euch! Es ist wirklich bewundernswert wie ihr das alles meistert! Ich drücke euch ganz doll die Daumen, dass ihr noch viele solche schönen Begegnungen haben werdet. Genießt die Zeit euch so treiben zu lassen!
    Alles Liebe – auch von Steffen & Paul!
    Adeline

  3. Karen Schröder

    Total interessant! Ihr müsst ja immer kommunikativ sein und könnt nicht einfach vor euch hin dödeln… Erschreckend, dass es auch dort viele Umweltschäden gibt. Mögen eure Schutzengel niemals schlafen! Weiterhin alles Gute von Karen und Renate 🌞😎

  4. Susanne

    LIebe Isabeli, lieber Bimi,
    euer Blog ist eine tolle Idee. Es war mir völliug entfallen, dass ihr sowas aufgebaut habt. Die liebe Karen hat mich daran erinnert und ab jetzt verfolge ich eure Berichte.
    Beeindruckend finde ich die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Menschen, die in dieser schönen Landschaft wohnen, Gewiss werdet ihr weitere aufgeschlossene, gastfreundliche Menschen kennenlernen. Auf unseren Reisen konnten wir das auch erleben. Ich bin gespannt auf die neuen Bilder und Erlebnisse.
    Viel viel Glück und wie Karen sagte mächtige Schutzengel.
    Susanne

  5. Lubka & Rasto

    Dear Bimi & Izi,
    we are following your story at the Internet, read your blogs and watch your pics.
    Together, you are building unforgettable episode of your lives.
    Be strong and stay safe.
    Lubka a Rasto