Saftiges Grün, bunte Blüten und schneeweiß bedeckte Berge soweit das Auge reicht. Die Natur blüht weiter auf und es wird immer wärmer. Auf unserem Weg zwischen dem Kleinen und Großen Kaukasus finden wir einige der schönsten Plätze unserer bisherigen Reise. Die Schönheit der Natur Georgiens lässt unsere Herzen höher schlagen.

Viel Spaß beim Lesen!

Wir haben schon viel über die wunderbare Natur von Georgien gehört und es ist auch einer der Hauptgründe, warum wir dieses Land überhaupt bereisen wollen. Wir werden nicht enttäuscht, sondern hier angekommen sind wir aufs Neue entzückt, was sie nun letztendlich wirklich zu bieten hat.
Betrachtet man die topografische Karte von Georgien erkennt man ein relativ flaches Dreieck zwischen Batumi – Sokhumi – Kutaisi, was sich geografisch zwischen dem Schwarzen Meer, dem Kleinen und Großen Kaukasus befindet. Wir erkunden die Gegend und finden wunderbare Plätze zum Zelten an kleinen und großen Wasserströmen, die so langsam die Schneeschmelze in Richtung Westen transportieren. Im Hintergrund präsentiert sich uns stets das beeindruckende Panorama der schneebedeckten Berge.

Georgien ist einfach ein Paradies für Naturliebhaber:innen, wie gemacht für Trekking, Wandern, Radfahren oder einfach draußen sein, also wie gemacht für uns. Dabei haben wir wohl die eindrucksvollsten Gebiete noch gar nicht gesehen. Die Berge des Kaukasus um Mestia und Ushguli, die im Sommer mit ihrem Grün über der Baumgrenze so wunderbar sein müssen. Doch dafür sind wir wohl zur falschen Zeit hier. Lange überlegen wir hin und her, aber dann entscheiden wir uns gegen die Bergetappe durch den Kaukasus. Kurz vor unserem Abschied in Ozurgeti hat eine Freundin aus Mestia Misha auf Nachfrage berichtet, es habe die Nacht einen halben Meter Neuschnee in Mestia gegeben. Das hat die Entscheidung deutlich einfacher gemacht.

Wir radeln über kleine Straßen durch kleine Dörfer oder Siedlungen. Die Georgier:innen begegnen uns stets mit einer freudig grüßenden, herzlich lächelnden Offenheit. Sollten wir mal kurz stehen bleiben und nach dem Weg schauen, kommen direkt ein, zwei Leute herbei und wollen uns weiterhelfen. Doch das wir uns für kleine Wege und nicht für die stark befahrene Bundesstraße interessieren, stößt bei den Meisten auf Unverständnis. Nach anfänglichen Erklärversuchen sind wir schließlich dazu übergegangen, bei der Frage wohin wir wollen, einfach das nächste Dorf zu nennen, was man nur über die kleinen Straßen erreichen kann. Sollten wir uns doch mal bei der Ortschaft vertan haben und diese über die Bundesstraße besser zu erreichen sein, wird uns heftig kopfschüttelnd, die Arme verkreuzend von dem Weg abgeraten. Wir atmen dann kurz durch, trinken einen Schluck, warten bis das Auto um die Ecke gefahren ist und radeln weiter.

Nicht nur die freundlichen, offenen Menschen lassen unsere Herzen höher schlagen, auch die vielen scheinbar so glücklichen, überall frei herumlaufenden Tiere erfreuen uns immer wieder. Wie treffen so viele Schweine am Wegesrand, die sich glücklich im Schlamm wälzen, die Sonnenstrahlen aufsaugen oder uns einfach nur grunzend grüßen. Kühe gehören genauso zum Straßenverkehr wie verrückte Autofahrer:innen und auch die Pferde genießen die Freiheit, bis sie am Abend wieder ins Dorf galoppieren oder reingeholt werden. Diese tierische Idylle ist ziemlich rührend für uns, macht aber gleichzeitig wieder einmal schmerzlich bewusst, welch grausame Tierhaltungsmethoden in unserem Heimatland noch immer an der Tagesordnung stehen.

Einzig und allein die Hunde wirken hier ziemlich aggressiv auf uns oder es kommt uns im Vergleich zu unseren entspannten Hundebegegnungen in der Türkei einfach nur besonders schlimm vor. Mit fletschenden Zähnen stürmen sie nicht selten auf unsere Räder zu, kläffen wie wild die ganze Umgebung zusammen oder springen mit Vollkaracho auf der Jagd nach uns über den Gartenzaun. Doch unsere vielfach erprobte Hundeabwehrtechnik des abrupten Stehenbleibens zwingt auch sie zum sofortigen Abbremsen, auch wenn sie danach nicht immer ganz so schnell wie bisher Ruhe geben. Aus diesem Grund haben wir uns zusätzlich eine neue Technik zu eigen gemacht, die uns ein Radlerkollege namens Lennard verraten hat und so baumelt ab jetzt auch ein kleines Tütchen voller Brot an unserem Lenker und es erfolgt nach jeder Stoppaktion eine kleine Raubtierfütterung, die ganz nach dem Motto „Piep, Piep, Piep, wir haben uns alle lieb!“ auch die aggressivste Fellnase lässiger stimmt.

Unser Weg führt uns an den Fuß des Großen Kaukasus, ein Faltengebirge dessen Berge, wie beispielsweise der Elbrus mit seinen 5.642 m, teilweise ruhende Vulkane sind und damit auf die tektonischen Unruhen hinweisen. Kein Wunder, dass es hier unter der Erde weiterhin brodelt und es viele heiße, schwefelige Quellen gibt. Eine davon genießen wir in vollen Zügen.
Mit 75°C sprudelt das Wasser hier aus der Erdoberfläche. Manch einer kocht sich hier sein Frühstücksei im Quellwasser. Man erzählt uns, dass das Gelände wohl vor hundert Jahren noch ein Heilbad war, heute sind hier nur noch Ruinen und kleine Hütten auf den Quellen. Einheimische verschließen diese provisorisch und nutzen sie als Natursauna.
Das heiße Wasser fließt einen kleinen, weiß-versinterten Wasserfall hinunter und mündet anschließend in den kalten Gebirgsfluss. Auf dem Weg dahin kühlt es immer weiter ab und je nach Temperaturwunsch gräbt man sich ein Loch in den Boden, lässt es mit Quellwasser volllaufen und genießt das heiße Bad, bevor es zur Abkühlung in den kalten Fluss geht. Eine wahre Wohltat nach einem anstrengenden Radeltag.

Bevor wir uns im natürlichen Spaparadies wieder auf die Räder schwingen, müssen wir nochmal in den Tiefen unserer Radtaschen wühlen, denn mittlerweile sind die Temperaturen so nach oben geschnellt, dass wir die kurzen Sachen wieder rausholen können. Endlich!

Etwas weiter in Richtung Norden erstreckt sich der Martvili Canyon, eine Erosionsschlucht des Abasha-Flusses. Das Wasser bahnt sich hier mit ziemlicher Wucht einen Weg durch den Canyon. Wir lassen uns auf dem kleinen Wanderpfad von dem Naturschauspiel in allen möglichen Grünnuancen verzaubern. Auf die Erkundung mit dem Boot müssen wir leider verzichten, da der Wasserstand um diese Zeit zu hoch ist.

Von da aus führt uns eine kräftezehrende Bergetappe in den Großen Kaukasus, wo wir den Okatse Canyon bestaunen wollen. Der Weg dahin fordert unsere Beine seit Langem mal wieder richtig. Nichts ahnend, was hier vor uns liegt, starten wir am frühen Nachmittag in die Berge. Die umsorgten Blicke der Autofahrer und ihr Angebot uns mitzunehmen, als wir sagen wo wir hin wollen, irritieren uns genauso wenig wie der Opi auf dem Moped, der scheinbar aus Mitleid nochmal zurückkommt, um uns ein paar Äpfel zu schenken. Als wir den ersten Anstieg erreichen ändert sich unsere Wahrnehmung. Wir schauen uns erst jetzt so richtig an, wo wir da eigentlich hin radeln wollen… Am Ende werden es gute 1.000 Höhenmeter, die wir mal eben am Nachmittag überwinden müssen.

Völlig fertig kommen wir gegen Abend in Zeda Gordi am Besucherzentrum des Okatse Canyon an. Für einen Besuch ist es zu spät. Also beschließen wir spontan, uns ein Gästehaus zu suchen, um dann ohne Gepäck zumindest noch zum sieben Kilometer entfernten insgesamt ca. 100 m hohen Kinchka Wasserfall radeln zu können und diesen im Sonnenuntergang zu bestaunen. Klingt in der Vorstellung traumhaft, aber die gelebte Realität sieht eben manchmal anders aus. Bereits völlig fertig fahren wir zunächst ziemlich weit bergab, was natürlich immer nicht so schön ist, wenn man weiß, dass man auf dem Rückweg alle Höhenmeter wieder hochstrampeln muss. Unten angekommen beginnt dann ein Anstieg, der so steil ist, dass die Räder sogar ohne Gepäck vorn abheben und wir einige Abschnitte schieben müssen. Kurz vor dem Wasserfall wird uns dann allen Ernstes mitgeteilt, dass der Eingang geschlossen ist. Wir sind frustriert. Mit einem abgesperrten Gelände und einer Eintrittspforte hätten wir hier nun wirklich nicht gerechnet. Enttäuscht und genervt radeln wir mit letzter Kraft zurück.

Am nächsten Tag begehen wir die Strahlkonstruktion des Okatse Canyon zu Fuß. Die Natur wird hier auf eine eindrucksvolle Art und Weise nahbar gemacht. Wir sind, besonders auch nach gestern Abend, wieder einmal hin und her gerissen, wie weit dies gehen sollte. Sollte man die Natur als Touristenattraktion ausstellen? Als Fotomotiv für die nächsten Likes? Schnell mit dem Taxi hin, schnell über die angelegte Anlage brettern und zurück? Oder sollte man sich den Weg dahin „erarbeiten“? Der Natur langsam näherkommen, bis man den Höhepunkt erblickt. Andererseits sind die angelegten Wege und Möglichkeiten doch auch optimal, wenn man körperlich nicht in der Lage dazu ist. Es ist eine Frage mit Für und Wider, wie so oft. Wir jedenfalls stellen fest, dass uns die Natur ohne touristische Anlagen um einiges besser gefällt, auch wenn man da nicht den höchsten Wasserfall oder die steilste Klippe sieht, dafür aber die Natur in ihrer natürlichen Form.

Nach unserer gestrigen Schnapsidee noch mal eben schnell zum Wasserfall zu radeln, hat sich allerdings mal wieder etwas gezeigt, was wir auf unserer Reise schon so manches Mal erleben durften. Nach lästigen Erlebnissen folgen oft sehr schnell schöne Momente, die all das ganz schnell wieder wett machen.

So auch an diesem Abend als wir wieder bei Guliada, die wir laut ihr einfach nur deda nennen sollen, im Gästehaus eintreffen. Das urige Holzhaus ist über 100 Jahre alt und gleicht einem kleinen Museum. Stolz zeigt sie uns die Bilder ihrer Schauspielerinnenkarriere, die Bilder ihrer Söhne und wuschelt uns genüsslich durchs Haar, ganz so wie eine echte Mama eben.

Guliada ist Darstellerin im Theater Kutaisi und schon das Einchecken gleicht einer originellen Darbiertung. Auch ihre beiden Söhne sind künstlerischer Natur. Einer arbeitet als Freskenmaler, der anderer als Schriftsteller. Was es heißt Autor einer Sprache zu sein, die nur von ca. 3,5 Millionen Menschen gesprochen wird bzw. in einer Schrift zu schreiben die nur 3,5 Millionen Menschen lesen können, können wir uns wohl nicht vorstellen. Es ist beeindruckend und schön, dass es sie gibt, auch wenn sie wohl nicht allein durch das Schreiben ihren Lebensunterhalt verdienen können, so tragen sie doch zum Erhalt der Schrift und Sprache bei, die es schon seit tausenden Jahren geschafft hat zu überleben. Heute gilt das georgische Alphabet (eigentlich sind es drei nebeneinander existierende) zum Immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Die 33 verschiedenen Buchstaben gleichen jeweils einem kleinen Kunstwerk.
In Georgien, was von den Einheimischen eigentlich sakartvelo genannt wird, spricht man kartuli, was übersetzt georgisch heißt. Auch wir versuchen uns an der Sprache, doch haben dabei vor allem größere Probleme die unterschiedlichen R-Laute verständlich auszusprechen. Dies führt dazu, dass wir oft nur fragende Blicke ernten, wenn wir z.B. fragen: „rogor khar?“ („Wie geht es dir?“). Auch gravierende Unterschiede in der komplexen Grammatik (fehlendes grammatisches Geschlecht, 7 Fälle, 11 verschiedene Zeitformen usw.) bringen unseren Helfer, den Google Übersetzer, nicht selten an seine Grenzen.

Außer uns ist am Abend auch noch ein polnisches Ehepaar eingetroffen, die mit dem lustigen Reiseleiter Peta individuell durch Georgien reisen und wir verbringen einen lustigen Abend auf der urigen Terrasse mit einer Shakespearelesung auf kartuli, leckerem Essen von der deda und hausgemachtem ghvino, der wohl in keinem georgischen Haushalt fehlen darf.

Auf dem Weg nach Kutaisi erwarten uns noch einige Serpentinen, aber auch herrliche Ausblicke auf den Großen Kaukasus mit all seinen Schneegipfeln und Schluchten. Umso tiefer wir kommen, um so grüner schimmert die Umgebung und überall erstrahlt der Flieder in seiner vollen Pracht. Auf den Straßen sind überall braune Schilder der Weinkeller zu finden und wir befinden uns schon seit geraumer Zeit auf der Wine Route. Kurz vor Kutaisi lassen wir uns verführen und halten spontan bei dem kleinen Weinkeller Mate’s Marani an. Die Winzerin verköstigt uns mit zwei verschiedenen Rotweinen und erzählt uns einiges über den Weinanbau in Georgien.  

Georgien gilt als das Ursprungsland des Weinanbaus und deshalb ist es kaum überraschend, dass fast alle Georgier:innen ihren eigenen Wein anbauen. Das Land bietet seit über 8000 Jahren günstige, klimatische Voraussetzungen zum Anbau der vielfältigen ca. 500 einheimischen Rebsorten. Wenn man sich klar macht, wie klein das Land ist, dann ist das schon eine verhältnismäßig beachtliche Menge. Weltweit gibt es ca. 2.500 Sorten, sodass man grob sagen könnte, jede fünfte Rebsorte kommt aus Georgien. Oft entdecken wir während der Fahrt die quevri aus Ton, die den antiken Amphoren ähneln und in denen der georgische Wein nach traditioneller Methode gekeltert wurde und wird. 

Zu unserer Flasche Wein bekommen wir noch 2 Stangen tschurtschchela, eine georgische Süßigkeit aus Nüssen und Traubensaft, geschenkt, was auch ganz hilfreich ist, um den Alkohol ein bisschen aufzusaugen. Als wir aus dem kühlen Weinkeller kommen, merken wir erstmal wie warm es draußen ist, aber bis Kutaisi rollen wir glücklicherweise nur noch ein Stück bergab.

Als wir am nächsten Morgen aufwachen regnet es, perfektes Timing also für eine feste Unterkunft und um die Prometheus Höhle zu besichtigen. Dort angekommen, startet die nächste Führung ziemlich bald und wir schlängeln uns bei konstanter Temperatur von 14°C immer weiter nach unten bis auf -40 m. Der Weg durch die Höhle ist insgesamt knappe zwei Kilometer lang. Sie wurde erst 1984 entdeckt und ist sehr beeindruckend.

Als wir die Höhle verlassen und unsere Augen sich nach einer Stunde untertage wieder an die Helligkeit gewöhnt haben, müssen wir leider feststellen, dass der Taxifahrer recht hatte mit seiner Aussage, dass von hier aus keine marshrutka zurück nach Kutaisi fährt. Nachdem uns ein Taxifahrer vor Ort einen völlig utopischen Preis nennt, beschließen wir lieber erstmal los zu stiefeln. Nach einer Viertelstunde stoppt das erste, vorbeifahrende Auto sofort und schon sitzen wir auf der Rückbank einer netten Familie, die uns anstrahlt und netterweise mit nach Kutaisi nimmt. Die Verständigung klappt irgendwie mit Händen, unserem rudimentären Georgisch, den Englischkenntnissen der achtjährigen Tochter und dem hier liebevoll als googli bezeichneten Übersetzer. Es wird eine sehr lustige Fahrt.

Wieder in Kutaisi angekommen schlendern wir durch die Straßen. Es ist ein einziges Gewimmel. Überall werden Sachen am Straßenrand verkauft. Auf dem Green Bazaar decken wir uns für die nächsten Tage ein und genießen den Markttrubel in vollen Zügen.

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Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Karen Schröder

    Wahnsinnsbilder: egal, ob Natur oder Bazar, Georgien scheint eine Reise wert zu sein. Und die Freundlichkeit der Menschen tut gut. Etwas abstauben vom Tourismus in Form von Eintrittsgeldern kann ich verstehen, da ja auch die Infrastruktur unterhalten werden muss. Und Taxifahrer probieren es einfach Mal…. Die heißen Quellen erinnern mich an Pamukkale in der Türkei. Zur Entspannung bestimmt supergut geeignet! Viel Spaß weiterhin im georgischen Frühling wünschen euch Renate und Karen aus Kiel 🏞️🏔️🍷🍷

  2. Franziska

    Hey ihr zwei! Wir finden eure Blogeinträge super und sind selbst mit dem Fahrrad auf ähnlichen Routen unterwegs. Danke dafür. Aber eine Kleinigkeit ist uns aufgefallen: Nir weil 500 von 2500 Rebsorten aus Georgien kommen, kann man daraus nicht schließen, dass jeder 5. Wein aus Georgien kommt. Es kommt ja auf die Menge des Weins pro Sorte an 😉 Wir mussten über den Denkfehler schmunzeln…liebe Grüße und gute Fahrt

    1. Moin ihr 2, das freut uns. Hihi, da habt ihr natürlich Recht… wir meinen natürlich jede fünfte Rebsorte, da waren wir wohl noch etwas beschwipst beim Schreiben 🙂 Habt weiterhin eine gute Reise und sonnige Grüße aus Armenien